steg Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH / NRW

Wohlwillstraße 20, 24, 26, 28 „Jägerpassage“, Hamburg St. Pauli Nord

Modernisierung und Instandsetzung einer unter Denkmalschutz stehenden, um 1870 erbauten Terrassenwohnanlage

Das Gebäudeensemble wurde ursprünglich mit drei Vorderhäusern und drei Terrassen als Hofbebauung in der ehemaligen Jägerstraße errichtet. Die Gebäude weichen durch ihr äußeres Erscheinungsbild mit Backsteinen stark von der Nachbarbebauung ab. Ende des 19. Jahrhunderts prägten sonst überwiegend Putzfassaden den Mietwohnungsbau, um Arbeiterwohnungen kostengünstig zu errichten. Abweichend von den umliegenden Wohnhäusern ist zusätzlich auch die Hervorhebung von vertikalen Fassadenelementen mit den dahinter liegenden Treppenhäusern und den breiten Torwegen zu den Terrassenbebauungen im Hinterhof.

Die Gebäude stellen eines der ältesten erhaltenen Beispiele sozialen Wohnungsbaus in Hamburg dar, bei dem sich Reformideen bei der Errichtung von zeitgenössischem Massenwohnungsbau erstmals niederschlugen. So wurde z.B. für fließend Wasser in Küche und WC und eine bessere Erschließung insbesondere der Vorderhäuser gesorgt. Die Gebäudeeinteilung bzw. die Grundrisse der Wohnungen waren in ihrer Anordnung trotzdem nicht immer familiengerecht. Während im Vorderhaus großzügige Zweispänner vorhanden sind, wurden in den Hinterhäusern überwiegend Vierspänner für die einfachen Arbeiter angeordnet, die z.B. keine Querlüftung der Wohnungen zuließen.

Das Gebäudeensemble hat den 2. Weltkrieg weitestgehend unbeschadet überstanden. Da an den Gebäuden keine wesentlichen Reparaturmaßnahmen durchgeführt wurden, nahm der Modernisierungs- und Instandsetzungsbedarf stetig zu, so dass das Sanierungskonzept von 1978 aufgrund des schlechten Zustandes der Gebäude den Abriss vorsah. Nach Abriss der nördlichen Terrasse bildete sich Widerstand gegen den Abriss des Ensembles und die verbliebenen Gebäude wurden 1983 unter Denkmalschutz gestellt. Daraufhin erfolgte die Sanierung der Vorderhäuser (Wohlwillstraße 20, 24, 28) von 1986-1988 und die Mittelterrasse (Wohlwillstraße 26) von 1988-1990. Die Südterrasse (Wohlwillstraße 22) wird nach mehreren Besetzungen in die Verwaltung der Lawaetz-Stiftung übergeben und von dem Verein „Initiative Jägerpassage“ mit Hilfe des Förderprogramms ABB saniert. Diese Terrasse ist bis heute in der Verwaltung der Lawaetz-Stiftung verblieben.

Die am Ende des 20. Jahrhunderts durchgeführten Sanierungsmaßnahmen erfolgten nach unterschiedlichen Kriterien. In den Vorderhäusern wurden neue Küchen und Bäder sowie Gasetagenheizungen eingebaut. In der Mittelterrasse wurden alle Holzbalkendecken durch Betondecken ersetzt und kleine Wohnungen zu größeren Wohnungen zusammengelegt. Die Beheizung des Gebäudes erfolgt durch eine zentrale Gasheizungsanlage.

Die jetzt geplanten Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen erfordern daher einen unter-schiedlichen Umfang in den jeweiligen Gebäuden. Die Konstruktion der Vorderhäuser muss umfangreich instand gesetzt werden, insbesondere im Bereich der Holzbalkendecken. Zur Verbesserung des Brand-schutzes erfolgen auch Veränderungen an Wohnungsgrundrissen. Für Vorderhäuser und Mittelterrasse wird eine neue, gemeinsame Heizungsanlage errichtet, ebenso werden die Fassaden instand gesetzt, die obersten Geschossdecken gedämmt und die Dachdeckung erneuert. Die Modernisierung und Instand-setzung der Vorderhäuser wird im Programm „Modernisierung von Mietwohnungen in Sanierungsgebieten“ der IFB gefördert.
Während die Mieter der Vorderhäuser für die Durchführung der Sanierungsmaßnahmen umgesetzt werden mussten, verbleiben die Mieter der Mittelterrasse in ihren Wohnungen, da hier keine Baumaßnahmen zur Sicherung der Gebäudekonstruktion erforderlich sind. Freiwerdende Wohnungen werden sukzessive im Laufe der Jahre modernisiert und instand gesetzt. Bisher konnten 12 von 20 Wohnungen fertiggestellt werden. Des Weiteren wurde die Fassade instandgesetzt, das Dach neu eingedeckt, die oberste und unterste Geschossdecke gedämmt sowie eine neue Heizungszentrale mit Fernwärmeanschluss eingebaut. Die Finanzierung der Maßnahmen an der Mittelterrasse erfolgt aus dem Treuhandvermögen.


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